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LCI Retreat 2026: Drei Institute, zwei Tage, unzählige Ideen

05. Oktober 2026

Drei Institute, zwei Tage, zahlreiche Ideen: Am 1. und 2. Oktober kamen beim LCI Retreat in Bad Segeberg Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeitende des Leibniz-Instituts für Virologie (LIV), des Forschungszentrums Borstel (FZB) und des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, was entstehen kann, wenn unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Ideen zusammenkommen.

Zwei Tage lang diskutierten die Teilnehmenden aktuelle Herausforderungen der Infektionsbiologie, stärkten bestehende Netzwerke und loteten neue Möglichkeiten für gemeinsame Forschungsprojekte aus. Über die Forschung hinaus bot das Retreat Gelegenheit, Erfahrungen und Best Practices etwa in den Bereichen Administration, Datenmanagement, Nachwuchsförderung und Kommunikation auszutauschen.

Die Herausforderungen, vor denen die wissenschaftliche Forschung steht, werden zunehmend komplexer. Umso wichtiger ist es, Expertise zu bündeln und Ansätze über Disziplinen und Institutionen hinweg miteinander zu verbinden.

Aus diesem Gedanken heraus wurde 2005 das Leibniz Center Infection (LCI) gegründet. Der Verbund der drei Leibniz-Forschungsinstitute in Norddeutschland bündelt ihre Expertise in der Erforschung relevanter Infektionskrankheiten. Mehr als 20 Jahre später ist der Austausch über Instituts- und Fachgrenzen hinweg wichtiger denn je.

Neue Modellsysteme und künstliche Intelligenz verändern die Forschung, Infektionen können langfristige gesundheitliche Folgen haben und Prävention ist ein zentrales Ziel globaler Gesundheit. Vor diesem Hintergrund standen beim diesjährigen Retreat vier wissenschaftliche Themen im Mittelpunkt: postinfektiöse Erkrankungen, künstliche Intelligenz, Organoidforschung und Prävention.

Künstliche Intelligenz ist dabei zugleich Herausforderung und Chance für zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen. In seinem Impulsvortrag beleuchtete Prof. Thomas Otto vom BNITM die Möglichkeiten und Herausforderungen, die KI für die wissenschaftliche Forschung mit sich bringt. Dabei regte er die Teilnehmenden dazu an, darüber nachzudenken, wie die sich rasant entwickelnden Technologien die Forschung der Zukunft prägen könnten.

Postinfektiöse Erkrankungen haben insbesondere durch Long COVID in den vergangenen Jahren große öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Doch, wie Prof. Gülsah Gabriel vom LIV in ihrem Impulsvortrag hervorhob, ist das Phänomen keineswegs neu. Sie zeigte auf, welche Rolle Infektionskrankheiten bei der Entstehung nichtübertragbarer und chronischer Erkrankungen spielen können – mit Folgen, die über die individuelle Gesundheit hinausgehen und auch die Gesundheitssysteme belasten können. Ihr Vortrag bildete den Ausgangspunkt für eine vertiefende Diskussion im anschließenden World Café.

Prof. Iris Bruchhaus vom BNITM richtete den Blick auf die Organoidforschung. Diese fortschrittlichen Modellsysteme eröffnen neue Möglichkeiten, komplexe Prozesse bei Infektionen zu untersuchen, die sich mit herkömmlichen Zellkultur- oder Monolayer-Modellen nicht immer abbilden lassen. Gleichzeitig stellen solche Modelle neue Anforderungen: Die Arbeit mit Organoiden erfordert spezialisierte Expertise und umfangreiches technisches Know-how. Der Austausch von Wissen und Best Practices bietet daher eine wichtige Möglichkeit, voneinander zu lernen und die Forschungskompetenzen innerhalb des LCI weiter zu stärken.

Das vierte Thema war die Prävention. In seinem Impulsvortrag beleuchtete Prof. Markus Weckmann vom FZB die Herausforderungen der Präventionsforschung. Er regte dazu an, neu darüber nachzudenken, wie Prävention gemessen und bewertet wird, und betonte die Bedeutung einer umfassenderen One-Health-Perspektive, die den Nutzen von Präventionsmaßnahmen für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt berücksichtigt. Zugleich hob er hervor, wie wichtig die sektorübergreifende Zusammenarbeit ist, um die Wirkung präventiver Maßnahmen besser sichtbar zu machen.

Die Impulsvorträge bildeten den Ausgangspunkt für den weiteren Austausch. Im anschließenden World Café diskutierten die Teilnehmenden die vier wissenschaftlichen Themen in kleineren Gruppen und brachten unterschiedliche Perspektiven, Fragen und Erfahrungen zusammen. Die Ergebnisse wurden am folgenden Tag im Plenum vorgestellt.

Doch die Gespräche gingen über die wissenschaftlichen Themen hinaus. In weiteren Gruppen tauschten sich die Teilnehmenden zu Datenmanagement und IT, Infrastruktur und Technologieplattformen, der Ausbildung von Promovierenden und Postdocs, Administration und Wissenschaftsmanagement sowie Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation aus.

Das LCI Retreat hat gezeigt: Unterschiedliche Expertise zusammenzubringen bedeutet mehr, als Wissen zu teilen. Es schafft Verbindungen zwischen Menschen, Disziplinen und Institutionen – und kann so aus einzelnen Ideen gemeinsame Ansätze und neue Möglichkeiten für Forschung und Zusammenarbeit entstehen lassen.